Nexenta Core (Codename Elatte) und seine Folgen

Freitag abend war ich enthusiastisch. Ein Debian/GNU-Ubuntu basiertes Betriebssystem mit Solaris-Kern, das klang gut. Image heruntergeladen, gebrannt, Rechner neu gestartet. Dass die Partitionierung etwas kryptisch geführt ist, hat mich nicht weiter gestört, die Partitionsauswahl gestaltete sich nach näherem hingucken doch ganz brauchbar.

Beim sogenannten “Slicing”, unter Solaris ist das nichts weiter als die weitere Partitionierung des ausgewählten freien Speicherplatzes, wurden dann erst einmal die “Slices” (Partitionen) so angepasst, dass nur noch eines für die root-Partition und eines für die Swap-Partition erstellt wurden. So weit so gut.

In den darauffolgenden Bestätigungsmeldungen wurde ich dann erst einmal stutzig, dass das gute Setup-Programm einen Slice mit der Nummer 0 und einen mit der Nummer 7 erstellen und formatieren wollte. Slices bzw. Partitionen mit der Nummer 0 sind unter Unix generell die ersten Partitionen auf einem Datenträger. Da ich jedoch explizit freien Speicher zur Partitionierung angegeben hatte, nahm ich das ganze als eine seltsam-kryptische, interne Nummerierung an und bestätigte den Partitionierungsauftrag. Das Unglück sollte nun also seinen Lauf nehmen.

System wurde installiert, erster Start klappte soweit reibungslos. WLAN nicht funktionsfähig, trotz installierter Treiber und korrekter Einrichtung. Also: Linux wieder bootfähig machen, Windows-Bootsektoren wiederherstellen und anschließend nach einer Lösung für das Problem suchen. Gedacht getan. Ubuntu-Boot-CD eingelegt, System und anschließend die Partitionsverwaltung gestartet.

Tja. Aber wo waren meine Partitionen hinverschwunden? Die Partitionsübersicht gab nur 1 bestehende Partitionen her, wobei eigentlich 7 hätten vorhanden sein sollen. Zu allem berfluss war diese auch noch “Unbekannt”. Ich bekam eine leise Vorahnung, die nur 25 Minuten später in einem Aufschrei resultierte.

Sofort der Griff zur stets einsatzbereiten Ultimate Boot CD, Partitionstabelle löschen und TestDisk zum Scannen nach verlorenen Partitionen angestrengt. Siehe da, die alte Partitionsstruktur wurde wieder vollständig hergestellt. Wieder mit der Ubuntu-Boot-CD gestartet, grub wieder in den Master-Boot-Record geschrieben. Erleichterung, als das Menü angezeigt wurde.

Windows zum Starten auswählen resultierte in der Meldung “ntldr fehlt”. Nun kam Panik auf. Zwei Möglichkeiten:

  1. Das Dateisystem der Windows-Partition ist beschädigt (insbesondere: beschädigte Master File Table), Datenrettung in diesem Fall in den meisten Fällen vollständig möglich.
  2. die Partition wurde überschrieben, Datenrettung in diesem Fall nur teilweise oder überhaupt nicht möglich.

Bei meinem Glück traf natürlich Fall 2 zu, allerding in der “teilweise möglich”-Fassung. Die Master File Table wurde teilweise überschrieben, ebenso (meine) Benutzerdaten, allerdings war die Partition noch soweit intakt, dass chkdsk einen sehr großen Teil der Daten noch brauchbar verwerten konnte.

Fazit:

3 Abende im Eimer für Datenrettung, weil im NexentaCore-Setup scheinbar (meine Spekulation folgt) eine Fehlerbehandlung fehlt: mehr als 4 Primärpartitionen sind auf einem MBR-basierten Datenträger nicht möglich.
Ich habe soweit 8720 Ordner und 76.222 Dateien mit dem Namen dir####.chk bzw. file####.chk (# steht für eine Ziffer) gesichtet und brauchbare Daten gerettet. Ich habe meine Windows-Installation gelöscht und Windows neu aufgespielt. Retten konnte ich 2.648 Dateien und 707 Ordner.
Es werden noch mindestens 7 weitere Tage folgen, in welchen ich mein System wieder in den Ursprungszustand zurückversetzen werden muss.

Zum Glück hatte ich Studienrelevante Dinge 2 Tage zuvor auf eine externe Platte gesichert, sonst wäre nun vermutlich absolut Land unter.

Ich kann im Moment nur sagen: Finger weg von NexentaCore 1.0, solche Fehler dürfen in einem Final-Release nicht stecken!

3 thoughts on “Nexenta Core (Codename Elatte) und seine Folgen”

  1. Tja, bei Nexenta 2 genau das selbe.
    Zum glück hab ich rechtzeitig abgebrochen und probier das ganze mal in einer virtuelen Box aus.
    Das Konzept klingt gut. Nur was taugt das beste OS ohne einen gescheiten Partitionierer???

  2. Seither läuft Nexenta bei mir nur noch in VirtualBox… Ein gebranntes Kind scheut das Feuer… 😉

    Wirklich sehr schade, dass hier die Fehlerbehandlung wohl nach wie vor fehlt, wie du beschreibst.

  3. Schön, dass ich mit diesem Problem nicht allein bin! 🙂
    Ist schon fast unglaublich, dass ein freies Linux-System sich nicht parallel zu anderen Betriebssystem installieren lässt… so bleibt auch mir nichts anderes übrig, als es in einer virtuellen Umgebung zu testen. Sehr schade.

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